Als zu Beginn des Jahres 2009 Verantwortliche der beiden Handballabteilungen des TGV Eintracht Beilstein 1823 e.V. und des TSV Gronau 1911 e.V. an einen Tisch saßen, war die Ausgangslage, wie heute für so viele Vereine, klar: demographischer Wandel, kultige Trendsportarten und andere konkurrierende Freizeitangebote machen es immer schwieriger spielfähige Jugendmannschaften aufzustellen; nachlassendes Interesse am ehrenamtlichen Engagement einhergehend mit Überforderung der ehrenamtlich Tätigen lassen eine qualifizierte Trainings- und Jugendarbeit immer weniger gelingen.
Auch über ein gemeinsames Ziel hatte man sich rasch verständigt: eine gemeinsam getragene Kinder- und Jugendkonzeption, die nicht kurzfristig an den Symptomen herumdoktert und Bestehendes fortschreibt, sondern Vereinsarbeit zukunftsorientiert im Rahmen einer Spielgemeinschaft gestaltet.
Nach fast zwei Jahren Vorbereitung hat nun die SG Bottwartal ihren Trainings- und Spielbetrieb aufgenommen. Vieles läuft bereits gut, an manchen Stellen greifen die Rädchen noch nicht exakt ineinander, einzelne Problemstellen wurden schon heftig diskutiert. Aber auch das ist Bestandteil des Konzepts: wir sind nicht am Ende, sondern am Anfang eines gemeinsamen Weges, der sich entwickeln muss, nicht immer einfach ist, dessen Etappen aber festgelegt sind und dessen Richtung wir kennen.
Etappen und Richtung werden insbesondere konkret in 6 Handlungsfeldern, die Strukturen und Inhalte der Konzeption festlegen:
Trainingssteuerung
Für alle Jugendtrainer/-innen verbindliche Rahmentrainingspläne legen für jede Altersklasse Trainingsinhalte und -ziele fest und ermöglichen, dass Kinder und Jugendliche auf hohem Niveau Spielfähigkeit im Sportspiel Handball erwerben. Als für diesen Bereich verantwortlicher sportlicher Koordinator konnte Hans-Dieter Helber gewonnen werden. Als Handballexperte mit B-Lizenz ist er für die Umsetzung der Trainingspläne und Fortbildung der Trainer verantwortlich.
Werteleitbild
Die SG Bottwartal will ernst machen mit dem bewusst gestalteten erzieherischen Anspruch des Sports. Kinder und Jugendliche sollen durch den Handballsport personale und soziale Kompetenzen erwerben. Grundlage hierfür ist ein Werteleitbild, welches für das Zusammenleben in der SG Bottwartal verbindlich ist und gelebt werden muss.
Bildungspartnerschaft
Die SG Bottwartal versteht sich als Bildungspartner von Elternhaus, Schule, Kindergarten und Kommune. Sie bekennt sich zu den Werten einer demokratischen Gesellschaftsordnung und zu einer ganzheitlichen sportlichen Erziehung. Deshalb bringt sich die SG Bottwartal partnerschaftlich in Schulen ein. Als für diesen Bereich verantwortliche Koordinatoren Schule-Verein konnten Roland Hofmeister und Wolfgang Koch gewonnen werden. Als “rüstige Senioren” und Handballexperten mit C und B-Lizenz haben sie Zeit und Wissen, um sich aktiv ins Schulleben einzubringen.
KidsClub
Kinder und Jugendliche sollen Anerkennung erfahren, den Sinn von Eigeninitiative und gesellschaftlichem Engagement erleben, durch soziales Engagement ein Gefühl eigener Produktivität bekommen, indem sie auch Verantwortung füreinander und andere übernehmen. Im „KidsClub“ organisieren sie sich deshalb innerhalb der SG selbstständig und eigenverantwortlich. Hier planen und organisieren sie Projekte und Events für alle Jugendmannschaften und engagieren sich für eine Umsetzung des Werteleitbilds der SG Bottwartal. Als Leiterin für diesen Bereich konnte Judith Karas-Koch gewonnen werden, die große Erfahrung in der ehrenamtlichen Jugendarbeit besitzt.
Qualitätsentwicklung
Im Sinne von Wirkungsanalysen werden ausgewählte Maßnahmen und Projekte im Rahmen der Kinder- und Jugendkonzeption der SG Bottwartal in den folgenden Jahren unter spezifischen Fragestellungen wissenschaftlich begleitet werden. Diese „flankierende“ wissenschaftliche Begleitung soll die getroffenen Interventionen evaluieren und so zur Qualitätsentwicklung des Kinder- und Jugendbereichs der SG Bottwartal und der zugrundeliegenden Konzeption beitragen. Zur nachhaltigen Umsetzung der genannten Wirkungsanalysen konnte der ehemalige Bundesligatrainer und Sportwissenschaftler an der PH Weingarten, Prof. Dr. Stefan König, gewonnen werden.
Paten und Partner
Damit auf dem ambitionierten Weg nicht allzu viele Umwege zu gehen sind, konnten Paten und Unterstützer gewonnen werden:
- Edmund Hug, ehemaliger IBM-Chef Europas und Vorsitzender Forum Region Stuttgart berät die SGB wirtschaftlich
- Armin Emrich, ehemaliger Handballnationalspieler, Bundesligatrainer, 2005 bis 2009 Trainer der Deutschen Handballnationalmannschaft der Frauen berät die SGB in sportfachlichen Fragen und übernimmt Fortbildungen der Trainer und Trainerinnen.
- Dago Leukefeld, Bundesligatrainer, Trainer der Frauen Nationalmannschaft und der Juniorinnen, unterstützt die SGB in der Entwicklung eines Leistungssportkonzepts und übernimmt Fortbildungen der Trainer und Trainerinnen.
- Handballverband Württemberg (HVW), die Kinder- und Jugendkonzeption soll richtungweisend für alle Vereine im Bereich des Handballverbands Württemberg werden. Deshalb unterstützt der HVW die Entwicklung der Konzeption als Pilotmaßnahme.
Werteleitbild
Die SG Bottwartal ist ein soziales System, in dem die Handelnden Normen und Werten unterliegen. Diese geben Orientierung bei Bewältigung der Herausforderungen eines verantwortungsvollen „Vereinslebens“.
Gleichzeitig prägen die geltenden und gelebten Werte die Heranwachsenden in ihrer Entwicklung.
Deshalb ist es wichtig, diese geltenden Werte zu definieren und offen zu legen.
Folgende Werte sind uns für ein Zusammenleben in der SG Bottwartal zentral:
- Respekt – Wir achten uns gegenseitig. Wir gehen respektvoll mit Mitspielern, Gegnern und Schiedsrichtern um.
- Toleranz – Uns ist jeder willkommen, der bereit ist, sich in unsere Gemeinschaft mit der dort geltenden Wertorientierung einzubringen.
- Fairness – Wir sind fair gegenüber Mitspielern, Gegnern und Schiedsrichtern. Wir achten die Regeln.
- Verantwortungsbewusstsein – Wir sind Partner von Schulen und Kommunen. Wir sind uns unserer Vorbildrolle bewusst.
- Leistung – Wir versuchen immer unser Bestes zu geben.
- Teamgeist – Wir sind uns gegenseitig zuverlässliche und ehrliche Partner.
- Optimismus – Ja, wir können es schaffen!
Edwin Gahai
Leiter Ressort Jugend der SGB











